WLAN verbessern: Repeater, Powerline oder Mesh? Erst messen, dann kaufen
Im Wohnzimmer volle Balken, im Arbeitszimmer unterm Dach friert die Videokonferenz ein. Die übliche Reaktion ist ein Kauf: ein Repeater aus dem Elektromarkt, eingesteckt dort, wo das WLAN schwach ist. Bei Kunden finde ich solche Repeater regelmäßig in der Schublade, weil sie nichts gebracht haben.
Am Gerät liegt das selten. Meist hat vorher niemand nachgesehen, wo die Geschwindigkeit eigentlich verloren geht. Diese Anleitung geht deshalb in der Reihenfolge vor, in der ich auch bei einem WLAN-Termin arbeite: erst die Leitung prüfen, dann den Empfang messen, dann den Router richtig einstellen. Erst wenn das nicht reicht, geht es um Repeater, Powerline oder Mesh. Für eine normale Wohnung brauchen Sie dafür etwa eine halbe Stunde, einen Laptop mit Netzwerkkabel und Ihr Handy.
Schritt 1: Prüfen, ob es überhaupt am WLAN liegt
Schließen Sie einen Laptop per Netzwerkkabel direkt an den Router an und messen Sie die Geschwindigkeit. Verlässliche Werte liefert die Breitbandmessung der Bundesnetzagentur, weil sie mehrere Messungen protokolliert. Vergleichen Sie das Ergebnis mit dem gebuchten Tarif. Aus dem Vergleich ergeben sich drei Fälle:
- Schon am Kabel kommt deutlich weniger an als gebucht. Dann liegt das Problem am Anschluss oder beim Anbieter. Kein Repeater ändert daran etwas. Heben Sie die Messprotokolle auf und melden Sie sich beim Anbieter.
- Am Kabel stimmt die Geschwindigkeit, im Arbeitszimmer per WLAN kommt nur ein Bruchteil an. Dann ist es das WLAN, und die folgenden Schritte lohnen sich.
- Nur ein einzelnes Gerät ist langsam, während das Handy daneben flott surft. Dann hat meist dieses Gerät ein Problem, etwa einen alten WLAN-Chip oder veraltete Treiber. Wenn der ganze Rechner träge wirkt, helfen die zehn häufigsten Ursachen für einen langsamen PC weiter.
Schritt 2: Den Empfang in jedem Raum messen
Die Balken im Handy sind zu grob. Genauer ist die Signalstärke in dBm. Auf Android zeigt eine App wie WiFiAnalyzer den Wert an, am Mac halten Sie die Alt-Taste gedrückt und klicken auf das WLAN-Symbol (Zeile „RSSI“). Wer eine FRITZ!Box hat, nimmt die kostenlose FRITZ!App WLAN.
Die Werte sind negativ, und näher an null ist besser: −55 ist also stärker als −70. Weil die Skala logarithmisch ist, bedeuten 10 dBm weniger nur noch ein Zehntel der Signalleistung. Als Faustregel aus meiner Praxis:
| Signalstärke | Was Sie davon merken |
|---|---|
| bis etwa −55 dBm | sehr gut, volle Geschwindigkeit |
| −56 bis −67 dBm | gut, auch Videotelefonie und Streaming laufen stabil |
| −68 bis −75 dBm | schwach: Surfen geht, Videokonferenzen ruckeln |
| unter −75 dBm | kaum nutzbar, häufige Abbrüche |
Gehen Sie mit dem Handy durch die Wohnung und notieren Sie für jeden Raum einen Wert, am einfachsten auf einer groben Skizze des Grundrisses. Nach zehn Minuten sehen Sie, wo der gute Empfang endet. Genau diese Grenze brauchen Sie später, falls ein Repeater oder Mesh-Punkt nötig wird.
Schritt 3: Was vor jedem Kauf kommt
Den Router aus dem Schrank holen
Der häufigste Grund für schlechtes WLAN, den ich bei Terminen finde, ist der Standort des Routers. Er steht dort, wo der Anschluss aus der Wand kommt: im Flurschrank, neben dem Sicherungskasten, hinter dem Fernseher oder auf dem Boden. Jede Schranktür, jede Wand und besonders Stahlbeton, Fliesen und Fußbodenheizung kosten Signal. Besser steht der Router möglichst mittig, frei und etwas erhöht. Oft hilft schon ein Regal statt des Schranks.
5 GHz nutzen und den Kanal prüfen
Moderne Router funken auf zwei Bändern. Das 2,4-GHz-Band reicht weiter, ist aber voll: Es gibt nur drei Kanäle, die sich nicht überlappen, und Nachbarnetze, Bluetooth und Mikrowellen stören zusätzlich. Das 5-GHz-Band ist deutlich schneller und leerer, kommt aber schlechter durch Wände. Alles, was 5 GHz beherrscht und in Routernähe steht, sollte deshalb dort funken. Welcher Kanal in Ihrer Umgebung am wenigsten belegt ist, rechnet der WLAN-Kanal-Planer für 2,4 und 5 GHz aus den Nachbarnetzen aus, die Ihr Router anzeigt.
Firmware und Alter des Routers
Spielen Sie das aktuelle Update ein. Das verbessert manchmal die Funkleistung und schließt vor allem Sicherheitslücken; was am Router sonst noch eingestellt sein sollte, steht im Ratgeber Heimnetzwerk richtig absichern. Ist der Router so alt, dass er noch kein Wi-Fi 6 kann (der Standard ist seit 2019 auf dem Markt), lohnt ein Tausch oft mehr als jedes Zusatzgerät. In Deutschland dürfen Sie seit 2016 einen eigenen Router statt des Anbietergeräts verwenden.
Schritt 4: Die passende Technik wählen
Bleiben nach Schritt 3 Räume unter etwa −70 dBm, brauchen Sie einen zweiten Funkpunkt. Welcher passt, hängt vom Grundriss und von den Wänden ab. Der Preis spielt dabei die kleinste Rolle.
Netzwerkkabel: die stabilste Lösung
Ein Kabel ins Arbeitszimmer oder zum Fernseher ist stabiler als jede Funklösung. Am Ende des Kabels kann ein Mesh-Punkt oder Access Point hängen, der dort volles Tempo liefert. Wer ohnehin renoviert, sollte Leerrohre einplanen. Für das Homeoffice mit Firmen-VPN ist das die Lösung, die ich am liebsten empfehle.
Mesh: für Häuser und Wohnungen über mehrere Etagen
Bei Mesh verteilen sich mehrere Zugangspunkte im Haus und bilden ein gemeinsames Netz mit einem Namen und einem Passwort. Handy und Laptop wechseln beim Gang durchs Haus selbst zum stärksten Punkt. Ein Set für eine Wohnung kostet im Handel etwa 150 bis 300 Euro.
Entscheidend ist, wie die Mesh-Punkte mit dem Router verbunden sind. Per Funk durch eine Betondecke verlieren auch teure Systeme viel Tempo. Hängt der Mesh-Punkt im Keller oder unterm Dach am Netzwerkkabel oder an Powerline, ist das Problem gelöst. Beim Aufstellen gilt dieselbe Regel wie beim Repeater: dort, wo die Verbindung zum Router noch gut ist. Der Hersteller AVM rät außerdem, den Mesh Repeater nicht hinter oder unter einen Schrank oder die Heizung und nicht direkt in eine Zimmerecke zu stellen (AVM-Wissensdatenbank). Kombinieren Sie möglichst Geräte eines Herstellers. Mischsysteme verschiedener Marken bilden in der Praxis oft kein echtes gemeinsames Netz.
Repeater: für genau einen Raum
Ein Repeater kostet etwa 40 bis 80 Euro und ist in wenigen Minuten eingerichtet. Er passt, wenn ein einzelner Raum schwach versorgt ist und dort keine Höchstgeschwindigkeit nötig ist. Zwei Haken sollten Sie kennen. Ein einfacher Repeater empfängt und sendet auf demselben Kanal und halbiert damit ungefähr den Durchsatz. Dualband-Modelle, die zum Router auf 5 GHz und zu den Geräten auf 2,4 GHz funken, umgehen das teilweise. Und der Repeater muss auf halber Strecke stehen, wo Ihre Messung noch um −65 dBm oder besser zeigt. Im Funkloch selbst verstärkt er nur ein schlechtes Signal.
Powerline: wenn Wände und Decken den Funk schlucken
Powerline-Adapter schicken die Daten über die Stromleitung. Ein Adapter steckt am Router, der zweite im Zielraum und stellt dort einen Netzwerkanschluss oder ein eigenes WLAN bereit. In vielen Altbauten mit dicken Wänden funktioniert das erstaunlich gut, in anderen Häusern kaum. Es hängt davon ab, wie die Stromkreise verlaufen. Die Geschwindigkeit auf der Verpackung ist ein Laborwert, im Haus kommt in der Regel deutlich weniger an. Stecken Sie die Adapter direkt in die Wandsteckdose, nicht in eine Steckdosenleiste mit Überspannungsschutz. Kaufen Sie mit Rückgaberecht und messen Sie am Zielort.
| Lösung | Passt für | Kosten (Größenordnung) | Haken |
|---|---|---|---|
| Netzwerkkabel | Arbeitszimmer, Fernseher, Homeoffice mit VPN | Kabel wenige Euro, Verlegung nach Aufwand | Kabelweg nötig |
| Mesh | Häuser, mehrere Etagen, große Wohnungen | Set ca. 150 bis 300 € | Verbindung der Punkte durch Decken |
| Repeater | ein einzelner schwacher Raum | ca. 40 bis 80 € | halbiert oft das Tempo, Standort heikel |
| Powerline | Altbau, Keller, Betondecken | je nach Modell | hängt von der Hausinstallation ab |
Fehler, die ich bei Kunden immer wieder sehe
Mehrere Repeater hintereinander. Bei jedem Sprung in der Kette geht wieder Tempo verloren.
Zwei Netze mit verschiedenen Namen. Heißt das WLAN des Repeaters anders als das des Routers, bleibt das Handy oft stur am schwächeren Netz hängen. Geben Sie beiden denselben Namen und dasselbe Passwort oder nutzen Sie gleich die Mesh-Funktion.
Neue Geräte im Dauerbetrieb vergessen. Router, Mesh-Punkte und Powerline-Adapter laufen rund um die Uhr. Pro Gerät sind das nur wenige Watt, über ein Jahr aber ein spürbarer Betrag. Mit dem Stromkosten-Rechner pro Gerät sehen Sie, was drei zusätzliche Geräte im Jahr kosten.
Smart-Home-Geräte im falschen Band. Viele Steckdosen, Kameras und Saugroboter können nur 2,4 GHz. Wird dieses Band am Router abgeschaltet oder mit dem 5-GHz-Netz unter einem Namen zusammengelegt, finden sie das Netz beim Einrichten manchmal nicht. Wer ohnehin ein Smart Home plant, findet im Artikel über den Smart-Home-Standard Matter, welche Funktechnik dort dazukommt.
Wann sich Hilfe lohnt
Wenn Sie die vier Schritte durchgegangen sind und der Empfang trotzdem nicht stimmt, liegt es meist an etwas, das sich ohne Messgerät schwer finden lässt: an einer Decke, die kein Funk durchlässt, an Stromkreisen, über die Powerline nicht trägt, oder an einem Gerät, das falsch gekoppelt ist. Viele Router-Einstellungen wie Kanal, Band und Mesh-Kopplung lassen sich per Fernwartung prüfen, ohne dass jemand kommen muss. Für das Ausmessen von Räumen und das Aufstellen der Geräte komme ich in Hannover und Umgebung vor Ort; Ablauf und Preise stehen auf der Seite WLAN und Netzwerk in Hannover.
Häufige Fragen zum WLAN im ganzen Haus
Wo stelle ich einen WLAN-Repeater am besten auf?
Etwa auf halber Strecke zwischen Router und Funkloch, an einer Stelle, an der das Handy noch etwa −65 dBm oder besser misst. Nicht in den Raum ohne Empfang, nicht hinter Schränke oder Heizkörper und nicht direkt in eine Zimmerecke.
Ist Mesh besser als ein Repeater?
Für ein einzelnes schwaches Zimmer reicht ein Repeater. Für Häuser und Wohnungen über mehrere Etagen ist Mesh die bessere Wahl, weil alle Punkte ein gemeinsames Netz bilden und die Geräte selbst zum stärksten Punkt wechseln. Den größten Unterschied macht, ob die Mesh-Punkte per Kabel oder nur per Funk mit dem Router verbunden sind.
Funktioniert Powerline in jedem Haus?
Nein. Wie gut Powerline trägt, hängt von der Elektroinstallation ab, vor allem davon, wie die Steckdosen auf die Stromkreise verteilt sind. In manchen Altbauten läuft es sehr stabil, in anderen Häusern kommt kaum etwas an. Kaufen Sie deshalb mit Rückgaberecht und messen Sie am Zielort.
Warum ist mein WLAN abends langsamer als tagsüber?
Abends sind die Nachbarn zu Hause und ihre Netze funken mehr, besonders im vollen 2,4-GHz-Band. Hier helfen 5 GHz und ein weniger belegter Kanal. Ist die Messung am Netzwerkkabel abends ebenfalls schlechter, liegt es an der Leitung: Bei Kabelanschlüssen teilen sich viele Haushalte im Straßenzug die Kapazität.
Brauche ich für besseres WLAN einen neuen Router?
Nicht zwingend. Oft reichen ein besserer Standort, ein Firmware-Update und die richtige Kanalwahl. Ein Tausch lohnt sich, wenn der Router noch kein Wi-Fi 6 beherrscht oder keine Updates mehr bekommt.
Erst anrufen, dann kaufen
Beschreiben Sie mir kurz Ihre Wohnung: Etagen, wo der Router steht und wo der Empfang fehlt. Am Telefon sage ich Ihnen kostenlos, was wahrscheinlich hilft und ob Sie überhaupt ein neues Gerät brauchen. Ein WLAN-Termin vor Ort dauert meist ein bis eineinhalb Stunden.