Die kurze Antwort
Ein RAID-5-Verbund aus vier 4-TB-Consumer-Platten hat beim Rebuild nach einem Plattenausfall eine rechnerische Wahrscheinlichkeit von rund 62 Prozent, auf einen nicht behebbaren Lesefehler zu stoßen. Dieselbe Konfiguration mit Enterprise-Platten (10¹⁵) liegt bei etwa 9 Prozent, mit RAID 6 praktisch bei null. Der Unterschied zwischen RAID 5 und RAID 6 ist also nicht „eine Platte mehr Sicherheit", sondern ein Größenunterschied im Risiko.
Wie dieser Rechner rechnet
Fällt in einem RAID 5 eine Platte aus, muss der Controller zur Rekonstruktion jedes einzelne Bit der verbleibenden Platten lesen. Bei N Platten mit je C Byte sind das:
Jedes gelesene Bit kann auf einen nicht behebbaren Lesefehler treffen. Die
Hersteller geben dessen Rate im Datenblatt als 1 in 10^14 bis
1 in 10^16 an. Die Wahrscheinlichkeit, bei B Bits mindestens einen
Fehler zu treffen, ist:
Für vier 4-TB-Platten und U = 10¹⁴ ergibt das B = 3 × 4·10¹² × 8 = 9,6·10¹³ Bit und damit P ≈ 1 − e^(−0,96) ≈ 0,62. Genau diese Rechnung führt der Rechner oben aus, nur eben mit Ihren Werten.
Warum RAID 6 hier eine andere Klasse ist
RAID 6 hält eine zweite, unabhängige Paritätsinformation vor. Fällt eine Platte aus und tritt beim Rebuild ein Lesefehler auf, lässt sich der fehlende Block aus dieser zweiten Parität rekonstruieren — der Wiederaufbau läuft weiter. Ein einzelner URE beendet den Rebuild also nicht. Erst das Zusammentreffen zweier Ereignisse wird kritisch. Deshalb weist der Rechner bei RAID 6 die Lesefehler-Wahrscheinlichkeit zwar aus, bewertet den Rebuild aber nicht als gefährdet.
Rebuild-Dauer — die unterschätzte Größe
Die Dauer ergibt sich grob aus Plattenkapazität geteilt durch Schreibrate auf die Ersatzplatte. In der Praxis liegt sie deutlich höher, weil der Verbund während des Rebuilds weiterarbeitet: Bei laufendem Betrieb sind Werte von 30 bis 50 Prozent der Nennrate normal. Aus 9 Stunden werden dann schnell 24 oder mehr. Diese ganze Zeit über läuft der Verbund ohne Redundanz — bei RAID 5 bedeutet jeder weitere Plattenausfall in diesem Fenster den Totalverlust.
Wenn das nicht hilft
Die Rechnung oben ist eine Obergrenze, kein Schicksal. Drei Dinge relativieren sie, und ehrlicherweise verschweigen die meisten Artikel zum Thema sie:
- Die Herstellerangabe ist ein konservativer Worst Case. Reale Laufwerke liegen in Feldstudien oft besser als ihr Datenblatt. Die 62 Prozent sind ein Planungswert, keine Prognose für Ihren konkreten Verbund.
- Moderne Controller und Dateisysteme geben nicht sofort auf. ZFS und btrfs rekonstruieren betroffene Blöcke einzeln und melden den Verlust auf Dateiebene, statt den ganzen Rebuild abzubrechen. Ein URE kostet dort im Zweifel eine Datei, nicht den Pool.
- Regelmäßiges Scrubbing senkt das Risiko messbar, weil schwache Sektoren gefunden werden, solange die Redundanz noch vollständig ist — also bevor sie im Ernstfall gebraucht wird. Monatliches Scrubbing ist bei jedem NAS in zwei Minuten eingerichtet und die wirksamste kostenlose Maßnahme überhaupt.
Und der wichtigste Satz zum Schluss
Ein RAID ist kein Backup. Es schützt gegen genau ein Szenario: den Ausfall von Hardware. Es schützt nicht gegen versehentliches Löschen, nicht gegen Verschlüsselungstrojaner, nicht gegen Überspannung, Diebstahl, Wasser oder Feuer — all das trifft jede Platte im Gehäuse gleichzeitig. Wer die Rebuild-Wahrscheinlichkeit optimiert, aber kein zweites, getrenntes Medium hat, hat das falsche Problem gelöst.
Die Faustregel dazu heißt 3-2-1: drei Kopien der Daten, auf zwei verschiedenen Medien, davon eine außer Haus. Ein RAID zählt in dieser Rechnung als eine Kopie.