Falscher Microsoft-Anruf: Fernzugriff gegeben, was jetzt?

Diese Anrufe gehören zu den Fällen, bei denen bei mir das Telefon klingelt, und zwar meistens nicht vom Betroffenen selbst, sondern von einem Angehörigen. Der Ablauf ist fast immer derselbe. Jemand meldet sich als Mitarbeiter von Microsoft oder von einem Windows-Support, erzählt von einer Vireninfektion oder von Fehlern, die man gemeldet habe, und bittet darum, kurz ein kleines Programm zu installieren. Zehn Minuten später hat ein Fremder den Bildschirm vor sich, bewegt die Maus, öffnet Fenster mit roten Warnungen und redet über Kosten.

Wenn Sie das gerade hinter sich haben, ist die Frage nicht, wie das passieren konnte. Diese Anrufer sind geübt, freundlich und setzen unter Druck, und darauf fällt niemand herein, weil er ahnungslos ist. Die Frage ist, was jetzt in welcher Reihenfolge zu tun ist. Genau die steht hier, danach die Warnsignale für den nächsten Anruf.


Die ersten zehn Minuten

Arbeiten Sie diese Punkte von oben nach unten ab. Die Reihenfolge ist wichtig, weil der erste Schritt die laufende Sitzung beendet und die späteren Schritte davon ausgehen, dass niemand mehr mitschaut.

1. Verbindung kappen. Ziehen Sie das Netzwerkkabel oder schalten Sie das WLAN am Gerät aus. Bei einem Notebook reicht der Flugmodus. Wenn Sie unsicher sind, wo das ist: Router vom Strom nehmen wirkt genauso, dann ist das ganze Haus offline und die Sitzung tot. Den Rechner selbst würde ich eingeschaltet lassen, solange Sie nicht wissen, ob gerade Geld überwiesen wird. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik nennt das Trennen vom Internet als ersten Schritt, wenn Fernzugriff gewährt wurde.

2. Wenn Bankgeschäfte im Spiel waren, sofort die Bank. War das Online-Banking geöffnet, haben Sie eine TAN freigegeben oder eine Überweisung gesehen, dann ist das jetzt vorrangig. Laden Sie von einem anderen Gerät die Umsätze herunter und sperren Sie den Zugang. Am schnellsten geht das, indem Sie dreimal hintereinander die falsche PIN eingeben, danach rufen Sie Ihre Bank an. Karten sperren Sie über den zentralen Sperr-Notruf 116 116, aus dem Ausland mit der Vorwahl davor. Die Bankverbindung suchen Sie selbst heraus, nicht aus einer Mail oder von einem Zettel, den der Anrufer diktiert hat. Die Checkliste des BSI für den Ernstfall beim Onlinebanking steht beim BSI.

3. Passwörter ändern, aber von einem anderen Gerät. Nicht von dem Rechner, auf dem der Fremde war. Nehmen Sie ein Handy oder ein Tablet. Fangen Sie mit dem E-Mail-Konto an, weil darüber alle anderen Passwörter zurückgesetzt werden können. Danach Online-Banking, dann Amazon, eBay, PayPal und was sonst gespeichert war. Wenn Sie an dieser Stelle merken, dass Sie dasselbe Passwort an mehreren Stellen benutzt haben, ist das der Moment für einen Passwort-Manager. Die Umstellung dauert eine Stunde und Sie brauchen sie nie wieder.

4. Das Fernwartungsprogramm loswerden. Unter Windows in den Einstellungen bei „Apps“ nachsehen und alles entfernen, was Sie nicht kennen. Typische Namen sind TeamViewer, AnyDesk, UltraViewer, Supremo oder ScreenConnect. Achtung bei einer Falle, die oft übersehen wird: Viele dieser Programme laufen als einzelne Datei, ohne sich zu installieren. Dann steht nichts in der App-Liste, und die Datei liegt im Download-Ordner. Sehen Sie dort nach und löschen Sie sie. Prüfen Sie anschließend, was beim Hochfahren mitstartet, damit sich nichts wieder öffnet. Was dort normal ist und was nicht, sortiert unser Autostart-Nachschlagewerk.

5. System prüfen lassen. Starten Sie in der Windows-Sicherheit unter „Viren- und Bedrohungsschutz“ die Scanoptionen und wählen Sie die Offline-Überprüfung. Der Rechner startet neu und prüft sich, bevor Windows hochfährt. Das findet mehr als ein Scan im laufenden Betrieb. Einen ersten Überblick, was auf Ihrem System und im Browser gerade im Argen liegt, gibt der PC-Sicherheitscheck direkt im Browser.

6. Anzeige erstatten. Auch wenn kein Geld weg ist. Das geht bei der Polizei in Niedersachsen online, und Sie brauchen die Anzeige oft für die Bank oder die Versicherung. Notieren Sie vorher Datum, Uhrzeit, die angezeigte Rufnummer, den Namen des Programms und alles, was Sie am Bildschirm gesehen haben.

Wenn schon gezahlt wurde

Bezahlt wird bei dieser Masche selten per Rechnung. Gefragt sind Gutscheinkarten, Zahlungsdienste oder eine Überweisung, die Sie selbst im Online-Banking freigeben, während der Anrufer mitschaut. Gutscheinkarten sind der unangenehmste Fall: Sobald der Code vorgelesen ist, ist das Guthaben in Sekunden abgeräumt, und es gibt niemanden, der es zurückholt. Trotzdem bewahren Sie die Karten und Kassenbelege auf, sie sind Beweismittel.

Bei einer Überweisung zählt die Zeit. Das BSI weist darauf hin, dass ein Auftrag nach der Freigabe nur in Ausnahmefällen noch gestoppt werden kann, wenn man schnell handelt, und dass sich anhand der IBAN die Empfängerbank ermitteln und direkt ansprechen lässt. Welche Bank hinter einer IBAN steckt und wie ein Rückruf praktisch abläuft, haben wir in der Anleitung Falsche IBAN überwiesen, was jetzt? Schritt für Schritt beschrieben. Kreditkartenzahlungen lassen sich über die Bank reklamieren, hier gilt dieselbe Regel: heute anrufen, nicht nächste Woche.

Woran Sie den nächsten Anruf erkennen

Der wichtigste Satz zuerst, und er ist auch der einfachste: Microsoft ruft nach eigenen Angaben nicht unaufgefordert an, um einen kaputten Rechner zu reparieren. Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder beschreibt die Masche und ihre Varianten ausführlich unter falsche Microsoft-Mitarbeiter. Kein Hersteller weiß, dass Ihr Gerät Probleme hat, und keiner hat Ihre Telefonnummer dafür.

Dazu die Muster, die in solchen Gesprächen immer wieder vorkommen:

  • Zeitdruck und Angst. Von Datenverlust in den nächsten Minuten ist die Rede, von einem gesperrten Konto oder davon, dass Ihr Rechner andere Leute angreift. Seriöser Support drängt nicht.
  • Ein Beweis, der keiner ist. Gern lässt man Sie die Ereignisanzeige von Windows öffnen oder einen Befehl in ein schwarzes Fenster tippen. Dort stehen auf jedem gesunden PC Dutzende Warnungen und Fehler, das ist normaler Betrieb. Angezeigt wird Ihnen das als Befund.
  • Die Behauptung, Ihr System sei abgelaufen. Am Support-Ende von Windows 10 hängen sich diese Anrufe besonders gern auf. Was bei Updates tatsächlich gilt und bis wann Sicherheitsupdates laufen, steht in unserem Ratgeber zu Windows 10 und Windows 11. Diese Termine ändert kein Telefonanruf.
  • Bezahlung, die nicht zur Leistung passt. Gutscheinkarten, Kryptowährung, eine Überweisung ins Ausland. Kein IT-Dienstleister in Deutschland wird so bezahlt.
  • Eine vertraute Nummer im Display. Rufnummern lassen sich fälschen. Das BSI musste 2022 selbst davor warnen, weil Betrüger die Nummer der eigenen Behörde vortäuschten. Was Sie im Display sehen, beweist nichts.

Die gleiche Vorsicht gilt inzwischen für Stimmen. Mit wenigen Sekunden Tonmaterial klingt ein Anrufer wie ein Kollege oder wie der Chef. Wie diese Anrufe ablaufen und woran sie zu erkennen sind, steht im Beitrag über KI-Phishing. Wer sein Auge für die schriftliche Variante testen will, findet im Phishing-Quiz echte und gefälschte Nachrichten im Vergleich.

Wie echte Fernwartung aussieht

Der Unterschied liegt nicht im Programm, denn dieselben Werkzeuge nutzen beide Seiten. Er liegt in der Richtung des Anrufs und in der Kontrolle. Sie rufen an, nicht ich. Für jede Sitzung gibt es eine neue Nummer, die nur einmal gilt und die Sie mir nennen, nicht umgekehrt. Sie sehen den Bildschirm die ganze Zeit mit und können die Verbindung mit einem Klick beenden. Passwörter tippen Sie selbst, und es bleibt kein Programm zurück, das später von außen erreichbar wäre. Der genaue Ablauf und die Preise stehen auf der Seite zur Fernwartung.

Wenn Sie unsicher sind, ob Sie wirklich mit mir sprechen: auflegen und die Nummer wählen, die auf meiner Website steht. Das ist nie unhöflich, und ich nehme es niemandem übel.

Vorbeugen, vor allem bei Eltern und Großeltern

Die Anrufe treffen überproportional häufig ältere Menschen, und die wirksamste Vorsorge ist kein Programm, sondern eine Absprache. Legen Sie gemeinsam fest, dass am Telefon nie ein Programm installiert wird, egal wer anruft. Ein Satz, ein Zettel neben dem Telefon, fertig: „Erst auflegen, dann mich anrufen.“

Dazu gehört, dass die Nummer der Person, die bei IT-Fragen hilft, in der Kurzwahl des Telefons steht. Sonst gibt es im Zweifel keine Alternative zum Anrufer. Am PC selbst arbeitet man besser mit einem Konto ohne Administratorrechte, dann scheitert eine Installation an der Passwortabfrage, die niemand kennt. Und auf dem Rechner sollte kein Fernwartungsprogramm dauerhaft liegen, das jemand von außen starten kann. Wenn Sie so etwas für regelmäßige Hilfe brauchen, richten Sie es bewusst ein und wissen, wie es heißt.

Bei Familien, die weiter weg wohnen, übernehme ich diese Einrichtung auch als PC-Hilfe für Senioren in Hannover und Umgebung, zuhause oder in der Einrichtung. Das ist eine halbe Stunde Arbeit und erspart im Ernstfall ein paar Tage Ärger.

Muss der Rechner neu aufgesetzt werden?

Ehrliche Antwort: Es hängt davon ab, was in der Sitzung passiert ist, und manchmal lässt sich das nicht mehr klären. Hatte der Anrufer nur ein paar Minuten und wurde nichts installiert, reichen Passwortwechsel, Deinstallation und Offline-Prüfung in der Regel. War er länger dran, hat Programme nachgeladen oder Sie haben ihm das Administratorpasswort gegeben, dann ist die Neuinstallation der einzige Weg, bei dem Sie hinterher sicher sind. Das ist unbefriedigend, aber besser als ein halbes Jahr Zweifel bei jeder Anmeldung.

Was in jedem Fall dazugehört, ist ein Blick auf die Sicherung. Nach so einem Vorfall merken die meisten, dass es keine gibt. Wie eine Sicherung aussieht, die auch einen verschlüsselten Rechner übersteht, steht in der 3-2-1-Backup-Strategie.

Häufige Fragen

Ruft Microsoft wirklich nie von selbst an?

Nach eigenen Angaben führt Microsoft keine unaufgeforderten Anrufe durch, um schadhafte Geräte zu reparieren. Auch eine Support-Anfrage, die Sie selbst gestellt haben, beantwortet der Hersteller nicht mit einem überraschenden Anruf und der Bitte, ein Fernwartungsprogramm zu installieren. Dasselbe gilt für Ihren Internetanbieter und für Ihre Bank.

Der Anrufer war nur fünf Minuten drauf, reicht ein Virenscan?

Meist ja, aber nicht als einzige Maßnahme. Ein Scan sieht Schadprogramme, nicht aber geänderte Einstellungen oder abgelesene Passwörter. Fünf Minuten genügen, um den im Browser gespeicherten Passwortspeicher zu öffnen und mitzulesen. Ändern Sie deshalb die wichtigen Passwörter von einem anderen Gerät, auch wenn der Scan nichts findet.

Ich habe mit Gutscheinkarten bezahlt, ist das Geld verloren?

In den meisten Fällen ja, weil das Guthaben sofort nach dem Vorlesen des Codes eingelöst wird. Versuchen sollten Sie es trotzdem: Melden Sie sich beim Anbieter der Karte und schildern Sie den Betrug, in Einzelfällen wird ein noch nicht eingelöster Code gesperrt. Karte und Kassenbon behalten Sie für die Anzeige.

Kann eine deutsche Festnetznummer im Display gefälscht sein?

Ja. Die angezeigte Rufnummer wird vom Anrufer mitgeschickt und lässt sich manipulieren, häufig mit Ortsvorwahlen aus der Nähe des Angerufenen oder mit Nummern echter Behörden. Das BSI hat 2022 selbst davor gewarnt, dass Betrüger die Nummer der Behörde vortäuschten. Verlassen Sie sich nie auf das Display, sondern rufen Sie über eine selbst nachgeschlagene Nummer zurück.

Lohnt sich eine Anzeige, wenn die Täter im Ausland sitzen?

Für die Aufklärung im Einzelfall sind die Aussichten gering, für alles andere lohnt sie. Banken und Versicherungen verlangen die Anzeige als Nachweis, und die Ermittler erkennen Muster erst, wenn genug Fälle zusammenkommen. Online kostet die Anzeige eine Viertelstunde.

Gerade passiert und Sie wissen nicht, wie schlimm es ist? Rufen Sie an, die erste Einschätzung am Telefon kostet nichts: 0171 2119261. Wenn wir am Gerät nachsehen müssen, geht das meist am selben Tag, per Fernwartung oder vor Ort in Hannover, Sehnde und Umgebung.

Für Betriebe: War ein Arbeitsplatz betroffen, gehört der Vorfall dokumentiert und das Netz mitgeprüft. Details dazu auf der Seite IT-Wartung für kleine Betriebe.