Was die Heizkurve festlegt
Die Heizkurve ist die Vorschrift, nach der Ihr Heizungsregler die Vorlauftemperatur aus der Außentemperatur ableitet. Bei −12 °C draußen braucht ein Haus viel Wärme, also heißes Wasser in den Heizkörpern. Bei +10 °C reicht lauwarmes. Ist die Kurve zu hoch eingestellt, heizt die Anlage mit unnötig warmem Wasser und die Thermostatventile drosseln ständig. Ist sie zu niedrig, bleibt es an kalten Tagen kühl.
Zwei Punkte legen die Kurve fest. Der Auslegungspunkt: Bei der Norm-Außentemperatur Ihres Orts muss der Vorlauf die geplante Temperatur erreichen, zum Beispiel 55 °C bei −12 °C. Und der Fußpunkt: Ist es draußen so warm wie drinnen, braucht der Raum keine Wärme mehr, der Vorlauf fällt auf Raumtemperatur. Dazwischen liegt keine Gerade, sondern eine leicht nach oben gewölbte Linie. Genau diese Linie rechnet das Tool aus.
So rechnet der Heizkurven-Rechner
Der Wärmeverlust eines Hauses wächst etwa linear mit dem Unterschied zwischen innen und außen. Bei 20 °C Raumtemperatur und −12 °C Norm-Außentemperatur beträgt dieser Unterschied 32 K. Bei 0 °C draußen sind es 20 K, also 62,5 Prozent der Auslegungslast. Diesen Anteil muss die Heizfläche liefern.
Wie viel ein Heizkörper abgibt, hängt von seiner Übertemperatur ab, und zwar überproportional:
Q/Qn = (ΔT/ΔTn)n. Für 62,5 Prozent Leistung reicht deshalb eine
Übertemperatur von 0,6251/1,3 = 69,7 Prozent des Auslegungswerts. Die Übertemperatur
selbst rechnen wir logarithmisch, ΔT = (ϑV − ϑR) / ln((ϑV − ϑi)/(ϑR − ϑi)), weil das
Wasser entlang des Heizkörpers nicht gleichmäßig abkühlt. Bei 55/45/20 sind das 29,72 K. Die
Spreizung zwischen Vor- und Rücklauf schrumpft bei gleichbleibendem Pumpenvolumenstrom im selben
Verhältnis wie die Last, von 10 K auf 6,25 K. Aus beidem sucht der Rechner schrittweise die
Vorlauftemperatur, die passt: 43,99 °C Vorlauf und 37,74 °C Rücklauf bei 0 °C
draußen.
Die meisten Online-Rechner nehmen statt des Logarithmus den einfachen Mittelwert aus Vor- und Rücklauf. Bei 55/45 und 0 °C kommen sie damit auf 44,02 °C. Der Unterschied von 0,03 K ist hier klein, und das sagen wir offen. Er wächst mit großer Spreizung und bei Fußbodenheizungen mit wenig Übertemperatur. Der Rechner zeigt beide Werte nebeneinander.
Vorlauftemperatur-Tabelle für 55/45, 45/35 und 35/28
Die Werte gelten für 20 °C Raumtemperatur und sind mit dem Tool gerechnet. Heizkörper mit n = 1,3, die Fußbodenheizung mit n = 1,1.
| Außen | 55/45 bei −12 °C | 45/35 bei −10 °C | 35/28 bei −12 °C (FBH) |
|---|---|---|---|
| −15 °C | 57,6 | 48,4 | 36,3 |
| −10 °C | 53,2 | 45,0 | 34,1 |
| −5 °C | 48,7 | 41,5 | 31,9 |
| 0 °C | 44,0 | 37,9 | 29,7 |
| +5 °C | 39,0 | 34,2 | 27,4 |
| +10 °C | 33,8 | 30,2 | 25,1 |
| +15 °C | 27,9 | 25,8 | 22,7 |
Wer ein älteres Haus mit 70/55 bei −14 °C betreibt, braucht bei 0 °C noch 52,60 °C Vorlauf. Das ist die Temperatur, die eine Wärmepumpe an vielen Tagen des Winters liefern müsste. Ob Ihre Heizkörper auch mit weniger auskommen, prüft der Heizkörper-Check für die Wärmepumpe raumweise. Dessen Ergebnis ist der Auslegungspunkt, den Sie hier eintragen.
Steilheit und Niveau: was die Zahl am Regler bedeutet
Als Steilheit gibt der Rechner an, um wie viel Kelvin der Vorlauf steigt, wenn es draußen ein
Kelvin kälter wird, gemessen als Gerade vom Fußpunkt zum Auslegungspunkt:
(ϑVn − ϑi) / (ϑi − ϑna). Für 55/45 bei −12 °C sind das 35 / 32 = 1,09,
für 70/55 bei −14 °C 1,47, für 45/35 bei −10 °C 0,83 und für eine Fußbodenheizung mit 35/28 bei
−12 °C 0,47.
Diese Zahl ist eine Näherung zur Orientierung. Hersteller definieren ihre Skalen unterschiedlich: Manche beziehen die Steilheit auf einen anderen Fußpunkt, manche trennen „Neigung“ und „Niveau“, manche zählen in eigenen Stufen. Einen Herstellerwert rechnen wir deshalb bewusst nicht aus. Vergleichen Sie die Tabelle mit den Temperaturen, die Ihr Regler bei derselben Außentemperatur anzeigt, das ist der sicherere Weg.
Dazu kommt die Krümmung. Weil die echte Kurve über der Geraden liegt, braucht eine als Gerade eingestellte Heizkurve an milden Tagen etwas mehr Niveau. Bei 55/45/−12 liegt die Kurve bei +10 °C rund 2,8 K über der Geraden, bei 70/55/−14 sind es bis zu 4,0 K, bei der Fußbodenheizung 35/28 nur 0,4 K. Das Ergebnis nennt diesen Wert als Parallelverschiebung, ebenfalls als Näherung.
Norm-Außentemperatur für Ihren Ort
Die Norm-Außentemperatur ist die tiefste Tagesmitteltemperatur, für die eine Heizung in Ihrer Region ausgelegt wird. Seit April 2020 steht sie in der DIN/TS 12831-1, dort nicht mehr für rund 500 Städte, sondern für jedes Postleitzahlgebiet. Den Wert für Ihre Postleitzahl zeigt die Klimakarte des Bundesverbands Wärmepumpe. Der Rechner erwartet die Zahl als Eingabe und schätzt sie nicht. Steht in Ihrer Heizlastberechnung ein anderer Wert, nehmen Sie diesen.
Heizkörper oder Fußbodenheizung: der Exponent n
Der Exponent beschreibt, wie stark die Leistung einer Heizfläche einbricht, wenn die
Übertemperatur sinkt. Für Heizkörper ist 1,3 der übliche Wert aus der Prüfung nach DIN EN 442-2.
Für Fußbodenheizungen nehmen wir 1,1, den Exponenten der Basiskennlinie aus DIN EN 1264-2
(q = 8,92 · (ϑFB,m − ϑi)1,1). Streng genommen bezieht die Norm ihn auf die
Oberflächentemperatur des Bodens, nicht auf das Heizwasser. Für die Heizkurve ist er trotzdem die
beste verfügbare Näherung. Kennen Sie aus einem Datenblatt einen anderen Wert, tragen Sie ihn als
eigenen Exponenten ein.
Warum eine niedrige Heizkurve bei der Wärmepumpe Geld spart
Eine Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je kleiner der Temperaturhub zwischen Außenluft und Heizwasser ist. Das Fraunhofer ISE hat im Projekt „WPsmart im Bestand“ Wärmepumpen in Bestandsgebäuden gemessen. Die Außenluft-Wärmepumpen erreichten Jahresarbeitszahlen von 2,5 bis 3,8, im Mittel 3,1, und die Forscher halten fest, dass die Effizienz „maßgeblich von der erforderlichen Heizkreistemperatur beeinflusst“ wird (Pressemitteilung vom 27.07.2020). Jedes Kelvin, das die Heizkurve tiefer liegen darf, zahlt sich also aus.
Praktisch heißt das: Stellen Sie die Kurve so niedrig ein, wie es die Räume erlauben, und nicht höher. Der Raum mit dem knappsten Heizkörper bestimmt den Vorlauf für das ganze Haus. Taktet die Wärmepumpe an milden Tagen häufig, hilft oft mehr Wasservolumen im Kreis; wie viel, rechnet der Pufferspeicher-Rechner.