Was der Taupunkt ist
Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der Luft mit ihrem Wasserdampf gesättigt ist. Kühlt die Luft darunter ab oder trifft sie auf eine Oberfläche, die kälter ist, schlägt sich Wasser als Tauwasser nieder. Beschlagene Fensterscheiben, nasse Kellerwände und feuchte Ecken hinter Schränken folgen diesem Prinzip. Der Taupunkt hängt von zwei Werten ab: der Lufttemperatur und der relativen Luftfeuchte. Bei 20 °C und 50 % liegt er bei 9,3 °C, bei 20 °C und 60 % schon bei 12,0 °C.
So berechnet der Rechner den Taupunkt
Der Rechner verwendet die Magnus-Formel. Der Sättigungsdampfdruck über Wasser ergibt sich aus E(ϑ) = 6,112 hPa × exp(17,62 × ϑ / (243,12 + ϑ)), der Taupunkt aus τ = 243,12 × (17,62 × ϑ / (243,12 + ϑ) + ln φ) / (17,62 × 243,12 / (243,12 + ϑ) − ln φ), mit der Temperatur ϑ in °C und der relativen Feuchte φ als Dezimalzahl. Die Koeffizienten 6,112 hPa, 17,62 und 243,12 °C stammen von D. Sonntag (Meteorologische Zeitschrift N.F. 3, 1994, S. 51–66) und gelten von −45 °C bis 60 °C, wie sie Wikipedia zum Taupunkt wiedergibt. Außerhalb dieses Bereichs rechnet der Rechner nicht.
Beispielrechnung: 20 °C und 50 %
Bei 20 °C beträgt der Sättigungsdruck 23,33 hPa. Bei 50 % relativer Feuchte enthält die Luft 11,66 hPa Wasserdampf. Die Magnus-Formel liefert dafür einen Taupunkt von 9,3 °C. Eine Außenwand mit 12 °C Oberflächentemperatur liegt darüber, es gibt kein Tauwasser. Mit 8 °C wäre sie kälter als der Taupunkt, und die Wand würde nass.
Schimmel-Ampel: Wandtemperatur und relative Feuchte an der Oberfläche
Schimmel braucht kein Tauwasser. Es genügt, dass die Luft unmittelbar an der Wand sehr feucht wird. Die Luft bringt ihren Wasserdampf mit, die kalte Wand hat aber einen kleineren Sättigungsdruck. Der Rechner setzt dafür die relative Feuchte an der Oberfläche an: φWand = φRaum × E(ϑRaum) / E(ϑWand). Bei 20 °C, 50 % und einer Wand mit 12,6 °C sind das 80 %.
Die Schwelle kommt aus der Bauphysik. DIN 4108-2 (Mindestwärmeschutz) verlangt einen Temperaturfaktor fRsi von mindestens 0,70. Er ist definiert als fRsi = (ϑOberfläche − ϑaußen) / (ϑinnen − ϑaußen). Bei den Randbedingungen der Norm, −5 °C außen und 20 °C innen, entspricht 0,70 genau 12,6 °C an der Innenoberfläche, und die Fachliteratur nennt etwa 80 % relative Feuchte als Grenze, ab der Schimmel wachsen kann. Die Norm selbst ist nicht frei zugänglich, deshalb verlinken wir eine Fachseite dazu (siehe Quellen).
- Grün: unter 70 % an der Oberfläche.
- Gelb: 70 bis unter 80 %. Das ist eine Einordnung dieser Seite als Vorwarnung, keine Normgrenze.
- Rot: ab 80 %, Schimmelrisiko.
- Tauwasser: ab 100 %, die Wand liegt unter dem Taupunkt.
Richtig lüften bei Schimmelgefahr
Das Umweltbundesamt empfiehlt 40 bis 60 % relative Luftfeuchte in der Raumluft. Im Winter lüften Sie zwei- bis dreimal am Tag etwa 5 Minuten, im Sommer 10 bis 20 Minuten, jeweils mit ganz geöffnetem Fenster. Querlüften tauscht die Luft besonders schnell. Im Schlafzimmer hilft es, morgens 5 bis 10 Minuten zu lüften, in Küche und Bad während und direkt nach dem Kochen oder Duschen. Kippfenster sind ungünstig, weil sich die Wand daneben abkühlt. Im Winter ist die kalte Außenluft meist trockener als die Raumluft, deshalb senkt Lüften dann die Feuchte.
Wo die Rechnung an ihre Grenzen stößt
- Der Taupunkt gilt für die Luft, die Sie eingeben. In der Raumecke, hinter Möbeln oder an Fensterlaibungen ist es kälter und die Luft stagniert; dort ist die Schimmelgefahr höher als die Raummitte vermuten lässt.
- Die Wandtemperatur muss gemessen werden, am besten mit einem Infrarot-Thermometer an der kältesten Stelle. Eine Momentaufnahme sagt wenig über dauerhafte Bedingungen.
- Die 80-%-Schwelle und die Gelb-Stufe sind Näherungen. Wie schnell Schimmel wächst, hängt außerdem von Material und Dauer der Feuchte ab. Eine Schimmelbegutachtung ersetzt der Rechner nicht.
Quellen
- Wikipedia: Taupunkt, Magnus-Koeffizienten nach Sonntag (1994) und Beispielwerte
- ISO-CHEMIE: Temperaturfaktor fRsi, DIN 4108-2 (fRsi 0,70, 12,6 °C, rund 80 % relative Feuchte)
- Umweltbundesamt: Wie lüfte ich richtig?, Stand 13.12.2024
Zuletzt geprüft am 23.10.2026.