Wie viel Zuckerwasser pro Bienenvolk braucht es wirklich?
Die belastbarste Zahl kommt von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau: Als Durchschnittswerte lassen sich bei einzargigen Völkern 15 kg und bei zweizargigen Völkern 18 bis 22 kg eingelagertes Winterfutter ansetzen. Diese Spanne ist keine Unsicherheit der Quelle, sondern ein Hinweis auf Ihre Lage: Der Gesamtbedarf ist regional unterschiedlich. Wer im Alpenvorland oder im Mittelgebirge imkert, plant am oberen Rand; im milden Rheintal reicht oft der untere.
Genauer wird es über die Volksstärke. Die LWG nennt den Futterbedarf je bienenbesetzter Wabe, und diese Tabelle ist der eigentliche Gewinn gegenüber jeder Pauschale: Zander 1,5 kg, Dadant 2,1 kg, Mini Plus 0,35 kg je Wabe. Ein Volk auf zehn besetzten Zanderwaben kommt damit auf 15 kg, dasselbe Volk auf Dadant auf 21 kg. Besonders wichtig ist der Mini-Plus-Wert: Wer die kleinen Begattungseinheiten mit der Wirtschaftsvolk-Pauschale rechnet, liegt um den Faktor vier bis sechs daneben und ertränkt die Völker regelrecht in Futter. Für Deutsch-Normalmaß, Langstroth und Segeberger nennt die geprüfte Quelle keinen eigenen Wert; der Rechner setzt dort hilfsweise den Zander-Wert ein, weist das aus und lässt Sie das Feld überschreiben.
Was das Volk schon eingelagert hat, zieht der Rechner ab. Schätzen Sie den Vorrat über die Zahl der Futterwaben, bleibt das eine Schätzung – wiegen ist genauer. Und noch eine Zahl gehört dazu: Beim Eindicken des Zuckerwassers verlieren die Bienen laut LWG 10 bis 20 Prozent der eingefütterten Menge. Für 20 kg Wintervorrat müssen Sie deshalb rund 23,5 kg Kristallzucker einsetzen, in der Spanne 22 bis 25 kg. Die grobe Gegenprobe der LWG lautet trotzdem: 1 kg trockener Haushaltszucker entspricht etwa 1 kg eingelagertem Futtervorrat. Der Rechner zeigt beide Zahlen nebeneinander, damit Sie sehen, wo Sie stehen.
3:2 oder 1:1: Das Verhältnis meint Gewicht, nicht Volumen
Hier scheitern die meisten Anleitungen im Netz. Das Winterfutter-Verhältnis 3:2 ist in Gewichtsteilen definiert: drei Teile Kristallzucker auf zwei Teile Wasser. Weil ein Kilogramm Wasser ungefähr einem Liter entspricht, landet man bei der bekannten Praxisformel 1 kg Zucker plus 0,7 Liter Wasser. Wer 3:2 dagegen als Volumenverhältnis liest und drei Liter Zucker auf zwei Liter Wasser kippt, bekommt eine völlig andere Konzentration: Kristallzucker hat eine Schüttdichte von nur rund 0,85 kg je Liter, drei Liter Zucker wiegen also gut 2,5 kg statt drei.
Das 1:1-Verhältnis ist kein Winterfutter, sondern Reiz- und Frühjahrsfutter: für Ableger, für die Notfütterung, für die Entwicklungsphase. Wer im September 1:1 einfüttert, gibt dem Volk deutlich mehr Wasser, das es bei kühlem Wetter kaum noch rechtzeitig verdunstet. Der Rechner weist ausdrücklich darauf hin, weil es der häufigste Anfängerfehler der Saison ist.
Zuckerwasser 3:2: Wie viel Zucker für 10 Liter?
Rechnen wir es einmal durch. Ein Liter fertige 3:2-Lösung wiegt rund 1,29 kg, zehn Liter also etwa 12,9 kg. Davon sind 60 Prozent Zucker, das sind 7,7 kg Kristallzucker, dazu 5,1 Liter Wasser. Umgekehrt: Ein 25-kg-Sack Zucker braucht 16,67 Liter Wasser und ergibt 41,7 kg fertige Lösung. In Litern kommt die LWG mit ihrem Praxiswert von 1,33 Litern je Kilogramm Zucker auf 33,25 Liter, über die Dichte einer 60-prozentigen Zuckerlösung sind es 32,4 Liter. Diese zwei Prozent Unterschied sind Rundung und Ansatztemperatur – warme Lösung braucht mehr Platz im Eimer als abgekühlte. Der Rechner zeigt beide Zahlen, damit Sie nicht rätseln müssen, wenn Ihr Eimer anders aussieht als die Tabelle im Verein.
Die Umkehrrichtung ist im Alltag die häufigere: Sie stehen vor einem angebrochenen Sack und wollen wissen, wie weit er reicht. Stellen Sie dafür im zweiten Reiter „Ich gebe vor“ auf Kilogramm Zucker, die ich habe.
Apiinvert: Wie viel Liter pro Volk – und wie viel sind 28 kg?
Futtersirup lässt sich nicht über die Zuckerformel rechnen, denn er enthält bereits Wasser und ist vorinvertiert. Maßgeblich ist die Trockensubstanz: rund 72,7 Prozent. Damit entsprechen 20 kg Kristallzucker etwa 27,5 kg Sirup. Und weil Sirup mit rund 1,4 kg je Liter deutlich schwerer ist als Wasser, sind das knapp 20 Liter. Daraus folgt direkt die Antwort auf die meistgestellte Frage: Ein 28-kg-Gebinde Apiinvert sind rund 20 Liter. Ein 14-kg-Eimer entsprechend rund 10 Liter.
Für ein zweizargiges Wirtschaftsvolk mit 20 kg Zielvorrat heißt das in der Praxis: knapp 28 kg Sirup, also ziemlich genau ein 28-kg-Gebinde je Volk, verteilt auf drei bis vier Gaben. Einen Verlustaufschlag braucht der Sirup dabei streng genommen nicht, weil er bereits invertiert ist und die geprüfte Quelle für Sirup keine eigene Verlustzahl nennt. Der Rechner zeigt deshalb beides: die Menge mit dem Aufschlag aus Schritt 1 und die knappere Zahl ohne. Wer auf Nummer sicher gehen will, plant zusätzlich ein bis zwei Kilogramm Reserve je Volk ein.
Apiinvert-Gebinde 14, 16 und 28 kg in Liter und Zucker umgerechnet
Südzucker liefert Apiinvert unter anderem im 14-kg-Eimer mit Fütterungsdeckel und als 28-kg-Umfüllgebinde im Karton; im Imkerhandel gibt es zusätzlich einen 16-kg-Karton. Die Umrechnung nutzt dieselben Werte wie der Rechner: rund 1,4 kg je Liter und 72,7 Prozent Zuckergehalt.
| Gebinde | Liter (rund) | entspricht Kristallzucker |
|---|---|---|
| 12,5 kg (5 × 2,5 kg) | 8,9 l | 9,1 kg |
| 14-kg-Eimer | 10,0 l | 10,2 kg |
| 16-kg-Karton | 11,4 l | 11,6 kg |
| 28-kg-Gebinde | 20,0 l | 20,4 kg |
Die Herstellerangabe als Gegenprobe: Südzucker setzt den Futterwert von 1 Liter Apiinvert mit 1 kg Kristallzucker gleich und 1 kg Apiinvert mit 0,73 kg Zucker. Beide Wege landen beim 28-kg-Gebinde bei gut 20 kg Zucker.
Futterteig statt Sirup: wann er passt und wie viele Packungen
Futterteig wird langsam abgenommen und löst kaum Räuberei aus. Die LWG empfiehlt ihn deshalb besonders für Ableger und Jungvölker, die ohnehin weniger brauchen – Größenordnung 15 kg statt 20 kg. Auch als Nachschlag im Spätherbst oder im Notfall im Februar ist Teig die ruhigere Variante, weil er keine offene Flüssigkeit im Stand bedeutet. Für das zügige Auffüttern im August ist er dagegen zu langsam.
Die Trockensubstanz von Futterteig ist mit 90 Prozent vorbelegt, aber ausdrücklich als Annahme gekennzeichnet: Die geprüften Quellen nennen dafür keinen Wert. Tragen Sie die Angabe Ihrer Packung ein, dann stimmt auch die Packungszahl. Der Rechner rundet auf ganze Gebinde auf und nennt den Rest – „2 Eimer à 28 kg, 9 kg Rest“ hilft beim Einkauf mehr als „Sie brauchen 47 kg“.
Was kostet die Einfütterung je Volk?
Die Kostenfrage entscheidet bei den meisten Imkereien über Zucker oder Sirup, und sie ist erstaunlich knapp. Ein Beispiel mit zehn zweizargigen Völkern und 20 kg Zielvorrat je Volk: Das sind 200 kg Winterfutter und damit rund 235 kg Kristallzucker inklusive Verlustaufschlag. Bei 1,00 Euro je Kilogramm kostet das 235 Euro, also 23,50 Euro je Volk. Rechnet man denselben Bedarf über die Trockensubstanz in Sirup um, sind es rund 275 kg ohne und rund 324 kg mit Verlustaufschlag – bei 1,60 Euro je Kilogramm also 440 bis 518 Euro oder 44 bis 52 Euro je Volk. Den Aufschlag brauchen Sie beim Sirup streng genommen nicht, weil er bereits invertiert ist; der Rechner weist beide Zahlen aus. Zucker gewinnt in jedem Fall deutlich – gegenzurechnen ist allerdings Ihre Zeit: Anrühren, Umfüllen, Eimer schleppen und spülen. Wer 40 Völker hat, kauft die Zeitersparnis möglicherweise gern.
Zuckerpreise schwanken stark, deshalb steht in beiden Feldern nur ein Platzhalter und kein Marktwert. Erst mit Ihrem tatsächlichen Preis ist der Vergleich belastbar. Zum Weiterrechnen mit den Zahlen: Mehrwertsteuer-Rechner und Dreisatz-Rechner.
Der Fütterungs-Fahrplan: Anfüttern, Auffüttern, Restfütterung bis Ende September
Die LWG gibt einen klaren Ablauf vor. Direkt nach dem Abschleudern wird angefüttert, mit etwa 5 kg. Danach folgt das Auffüttern mit 10 bis 15 kg bis etwa zum 10. September, und was dann noch fehlt, kommt als Restfütterung bis Ende September dazu. Der Grund für die Portionierung ist nicht Bequemlichkeit, sondern das Brutnest: Einzargige Völker bekommen kleinere Gaben von etwa 5 Litern, zweiräumige 10 Liter oder mehr. Wer zu große Gaben auf einmal gibt, lässt das Futter bis ins Brutnest wandern und engt die Königin ein.
Zwei Regeln gelten unabhängig vom Kalender. Füttern Sie nicht bei offener Tracht und nicht, wenn im Stand Räuberei läuft – verkleinern Sie in dem Fall zuerst die Fluglöcher und füttern Sie abends. Und: Füttern Sie niemals fremden Honig. Die LWG ist an dieser Stelle unmissverständlich, fremde Honige sind wegen der Gefahr der Faulbrutübertragung extrem gefährlich.
Das Anfüttern hat noch eine zweite Funktion: Es setzt die Ameisensäurebehandlung in Gang, denn die LWG sieht das Anfüttern einige Tage vor der Behandlung vor. Ein angefüttertes Volk sitzt ruhiger und verträgt die Säure besser. Die Dosierung für Ameisensäure und Oxalsäure rechnen Sie im Schwester-Tool, dem Varroa-Dosierrechner; die beiden Themen bleiben hier bewusst getrennt, weil Futter kein Arzneimittel ist.
Kontrolle mit der Federzugwaage: das Zielgewicht Ihrer Beute
Ob es gereicht hat, beantwortet am einfachsten das Gewicht. Die LWG rechnet so: Leergewicht der Beute 23,0 kg plus Bienen und Pollen 2,0 kg plus 20 kg Winterfutter ergibt ein Gesamtgewicht von 45 kg. Weil die Federzugwaage beim Ankippen der Beute nur die Hälfte trägt, muss sie 22,5 kg anzeigen. Der Rechner übernimmt das Beispiel, Sie können Leergewicht und den Ansatz für Bienen und Pollen aber an Ihre Beuten anpassen – gerade Styropor- und Holzbeuten unterscheiden sich hier deutlich.
Wiegen Sie im Oktober, dann noch einmal im Januar. Ein Volk, das stark abnimmt, hat entweder viel Brut oder zu wenig Vorrat. Für die Notfütterung im Februar ist dann Futterteig das Mittel der Wahl, nicht Zuckerwasser: Er wird langsam abgenommen und bringt keine Feuchtigkeit in den Stock.