Arbeitszeugnis-Geheimcode: Die wichtigsten Formulierungen
Arbeitszeugnisse in Deutschland folgen einem ungeschriebenen Code. Hinter wohlklingenden Formulierungen verstecken sich oft kritische Bewertungen. Die folgende Tabelle zeigt die gängigsten Zeugnisformulierungen und ihre tatsächliche Bedeutung.
| Formulierung im Zeugnis | Tatsächliche Bedeutung | Note |
|---|---|---|
| ...stets zu unserer vollsten Zufriedenheit... | Hervorragende Leistung, nichts zu beanstanden | 1 |
| ...stets zu unserer vollen Zufriedenheit... | Überdurchschnittlich gute Leistung | 2 |
| ...zu unserer vollen Zufriedenheit... | Durchschnittliche, solide Leistung | 3 |
| ...zu unserer Zufriedenheit... | Unterdurchschnittlich, Mängel erkennbar | 4 |
| ...im Grossen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit... | Erhebliche Mängel in der Leistung | 5 |
| ...hat sich bemüht... | Völlig ungenügend, Aufgaben nicht erfüllt | 6 |
| ...war stets pünktlich und ehrlich... | Keine nennenswerten fachlichen Leistungen | 4-5 |
| ...erledigte die Aufgaben pflichtbewusst... | Kein Eigenantrieb, nur Dienst nach Vorschrift | 4 |
| ...zeigte Verständnis für seine Arbeit... | Hat die Arbeit nicht wirklich erledigt | 5 |
| ...war bei Kollegen beliebt... | War unproduktiv, hat viel geredet | 4 |
| ...arbeitete mit grösster Genauigkeit... | War langsam und unflexibel | 3-4 |
| ...trug zur Verbesserung des Betriebsklimas bei... | Hat Alkoholprobleme oder stört den Frieden | 6 |
| ...war gegenüber Kollegen und Vorgesetzten stets einwandfrei... | Sehr gutes Sozialverhalten (Reihenfolge beachten!) | 1-2 |
| ...gegenüber Kollegen beliebt, Vorgesetzten korrekt... | Probleme mit Autorität, nur bei Kollegen angesehen | 4 |
| ...verlässt uns auf eigenen Wunsch... | Eigenständige Kündigung (positiv) | - |
Ihre Rechte beim Arbeitszeugnis
Nach Paragraph 109 der Gewerbeordnung (GewO) hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf ein schriftliches Arbeitszeugnis, das wohlwollend formuliert und gleichzeitig wahrheitsgemäß sein muss. Dieses Spannungsfeld hat die kodierte Zeugnissprache hervorgebracht.
Nachbesserungsanspruch: Wenn Ihr Zeugnis Formulierungen enthält, die schlechter als Note 3 sind, können Sie Nachbesserung verlangen. Der Arbeitgeber muss eine Bewertung unter Note 3 begründen können. Die Beweislast liegt bei schlechteren Noten beim Arbeitgeber, bei besseren beim Arbeitnehmer.
Verjährungsfrist: Der Anspruch auf Zeugnisberichtigung verjährt nach 3 Jahren (Paragraph 195 BGB). Die Frist beginnt mit Ende des Kalenderjahres, in dem das Zeugnis ausgestellt wurde; das konkrete Enddatum ermittelt der Verjährungs-Rechner. Handeln Sie also zeitnah, wenn Sie Mängel feststellen.
Wichtig: Fehlende Bestandteile (z.B. keine Schlussformel mit Dank und Zukunftswünschen) sind ein häufiges verstecktes Signal. Zwar besteht kein Rechtsanspruch auf eine Schlussformel, ihr Fehlen wird jedoch von Personalern negativ gewertet.