camt.053 öffnen: so lesen Sie den Kontoauszug
Wer im Online-Banking den Kontoauszug „als Datei“ abruft, bekommt heute fast immer eine camt.053-Datei. Das ist XML: ein Datensatz für Programme, kein Dokument zum Lesen. Ein Doppelklick öffnet bestenfalls den Browser mit verschachtelten Klammern, schlimmstenfalls passiert nichts. Manche Banken packen mehrere Tagesauszüge in ein ZIP-Archiv.
Ziehen Sie die Datei oder das Archiv auf das Feld oben. Das Werkzeug entpackt das Archiv, liest jeden Auszug darin und zeigt je Konto eine Tabelle: Buchungstag, Wertstellung (Valuta), Betrag mit Vorzeichen, Name und IBAN der Gegenseite, Verwendungszweck und die Referenzen, die bei Lastschriften wichtig sind. Über der Tabelle steht die Saldenprobe als Ampel. Grün heißt: Die Umsätze erklären den Kontostand vollständig.
Warum die Bank kein MT940 mehr liefert
Bis 2025 war MT940 das übliche Format für elektronische Kontoauszüge in Deutschland, ein Textformat aus
der SWIFT-Welt mit festen Feldern wie :61: für den Umsatz und :86: für den
Verwendungszweck. Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) schreibt in ihrer Übersicht zum Format-Lifecycle:
Ab dem 23. November 2025 sind MT940 und MT942 kein DK-Standard mehr, und auch die Version 02 von
camt.052, camt.053 und camt.054 entfällt. Einziger DK-Standard für Kontoinformationen ist seitdem
camt.053 in der ISO-Version 2019, technisch camt.053.001.08. Den genauen Abschalttag legt jede Bank selbst
fest; die Volksbank Stuttgart etwa kündigte die dauerhafte Abschaltung von MT940 und MT942 ab dem
24. November 2025 an.
Für viele Nutzer ist das ein Problem, weil ältere Vereins-, Kassen- und Buchhaltungsprogramme nur MT940 einlesen. Wer nicht sofort neue Software kaufen will, braucht einen Weg von camt.053 zu einer Tabelle. Genau dafür ist der CSV- und Excel-Export da.
Welche Felder die Tabelle zeigt
Jede Zeile ist eine Buchung (Ntry). Enthält eine Buchung mehrere Einzelposten, etwa eine
Sammelüberweisung oder mehrere Lastschriftrückgaben, stehen diese als eingerückte Teilposten darunter.
So lesen sich die Spalten im XML:
| Spalte | XML-Element | Bemerkung |
|---|---|---|
| Buchungsdatum, Valuta | BookgDt, ValDt | Datum oder Zeitstempel, angezeigt als TT.MM.JJJJ |
| Betrag | Amt mit CdtDbtInd | CRDT = Gutschrift (plus), DBIT = Belastung (minus) |
| Name, IBAN, BIC | RltdPties, RltdAgts | bei Gutschriften der Zahler, bei Belastungen der Empfänger |
| Verwendungszweck | RmtInf/Ustrd | sonst strukturierte Referenz aus Strd |
| Ende-zu-Ende-ID | Refs/EndToEndId | „NOTPROVIDED“ wird leer gelassen |
| Mandatsreferenz, Gläubiger-ID | Refs/MndtId, Cdtr…/PrvtId/Othr/Id | nur bei SEPA-Lastschriften |
| Buchungstext, Buchungscode | AddtlNtryInf, BkTxCd | ISO-Code (z. B. PMNT/RDDT/ESDD) und DK-Code (z. B. NDDT+105) |
Die Saldenprobe: Anfangssaldo plus Umsätze gleich Endsaldo
Ein Kontoauszug ist erst vollständig, wenn die Rechnung aufgeht: Der Anfangssaldo (OPBD)
plus alle gebuchten Umsätze ergibt den Endsaldo (CLBD). Fehlt der Anfangssaldo, nimmt das
Werkzeug den Vortagessaldo PRCD, den manche Banken in älteren Dateien stattdessen liefern.
Gerechnet wird auf den Cent genau, ohne Rundung.
Ein Beispiel aus dem Gesamtbeispiel der DK: Anfangssaldo 1.120,72 Euro im Haben, neun Buchungen mit
zusammen −9.114,76 Euro, Endsaldo −7.994,04 Euro. 1.120,72 − 9.114,76 = −7.994,04, die Ampel steht auf
Grün. Stimmt die Rechnung nicht, zeigt das Werkzeug die Differenz. Die häufigsten Gründe: eine
fehlende Seite oder Datei, ein doppelt geladener Tag oder eine Datei, die jemand von Hand verändert hat.
Vorgemerkte Umsätze (Status PDNG) zählen nicht mit, weil sie noch nicht gebucht sind.
Liegen mehrere Auszüge desselben Kontos vor, prüft das Werkzeug zusätzlich den Anschluss: Der Endsaldo eines Tages muss der Anfangssaldo des nächsten sein. Ist er es nicht, fehlt meist ein Auszug.
Schema-Prüfung gegen ISO 20022
Jede camt.053-Datei nennt ihre Version im Namensraum, etwa
urn:iso:std:iso:20022:tech:xsd:camt.053.001.08. Für die Versionen .02, .04 und .08 prüft das
Werkzeug die Datei mit libxml2 gegen das offizielle Schema der ISO-20022-Registrierungsstelle. Das
Programm läuft als WebAssembly im Browser. Die Schemadatei für .08 ist dieselbe, die die DK zu ihrer
Spezifikation ausliefert. Gefunden werden fehlende Pflichtfelder, falsche Datums- und Betragsformate
und unbekannte Elemente, jeweils mit Zeilennummer.
Was das Schema nicht prüft: ob die Salden stimmen (dafür die Ampel), ob eine IBAN existiert und ob die Bank die Belegungsregeln der DK aus Anlage 3 einhält. Andere camt.053-Versionen werden gelesen und nur auf die Pflichtstruktur geprüft.
CSV und Excel: Umsätze ins Vereins- oder Buchhaltungsprogramm
Die CSV-Datei folgt deutschen Gewohnheiten: Semikolon als Trennzeichen, Dezimalkomma ohne Tausenderpunkt (−1234,56), Datum als TT.MM.JJJJ und UTF-8 mit Byte-Order-Mark, damit Excel Umlaute richtig anzeigt. Texte, die mit =, +, − oder @ beginnen, bekommen ein Hochkomma vorangestellt, damit Excel sie nicht als Formel ausführt. Die Excel-Datei (.xlsx) enthält Datum und Betrag als echte Werte, die Kopfzeile ist fixiert und der Filter gesetzt.
Bei Sammelbuchungen steht der Gesamtbetrag in der Spalte „Betrag“ der Buchungszeile, die Einzelposten stehen in „Teilbetrag“. Wer die Spalte „Betrag“ summiert, erhält damit genau die Summe der Buchungen ohne Doppelzählung. Viele Programme haben einen CSV-Import mit frei wählbarer Spaltenzuordnung; dort ordnen Sie einmal Datum, Betrag und Verwendungszweck zu.
Für wen das gedacht ist
Kassenwarte von Vereinen gleichen Beitragseingänge mit der Mitgliederliste ab und brauchen dafür Name, Betrag und Verwendungszweck in einer Tabelle. Kleinstbetriebe ohne DATEV-Anbindung übergeben dem Steuerbüro eine saubere Umsatzliste. Vermieter sortieren Mieteingänge und Nebenkosten für die Anlage V. Privatleute suchen für die Steuererklärung Spenden, Handwerkerrechnungen oder Kirchensteuer zusammen. Für alle gilt: Die Datei der Bank bleibt das Original. Bewahren Sie sie auf, die Tabelle ist eine Arbeitskopie.
Buchungstag und Valuta weichen oft um einen oder zwei Tage ab, besonders um den Jahreswechsel. Der Buchungstag sagt, wann die Bank den Umsatz auf dem Konto verbucht hat, die Valuta, ab wann er für Zinsen zählt. Wer für die Einnahmen-Überschuss-Rechnung oder die Anlage V Zahlungen einem Jahr zuordnet, sollte beide Spalten behalten und bei Zahlungen rund um den 31. Dezember genau hinsehen; welches Datum steuerlich gilt, klärt im Zweifel das Steuerbüro. Beide Spalten stehen deshalb getrennt in der CSV- und Excel-Datei.
Die Datei holen Sie im Online-Banking meist unter „Umsätze exportieren“ oder „Kontoauszüge“, je nach Bank mit der Formatwahl camt, camt.053 oder ISO 20022. Wird dort nur camt.052 angeboten, ist das die untertägige Umsatzliste, kein abgeschlossener Auszug; für die Saldenprobe brauchen Sie den Tagesauszug.