Welches Modell gilt in Bremen?
In Bremen gilt seit dem 1. Januar 2025 das Bundesmodell nach § 15 GrStG i. V. m. BremGrStMG. Bremen bleibt beim Bundesmodell, belastet Nichtwohngrundstücke aber mit 0,75 Promille am stärksten von allen Ländern. Die Formel lautet verkürzt: Grundsteuerwert × Steuermesszahl × Hebesatz.
Bremen wendet das Bundesmodell an und hat dabei die weitreichendste Messzahlspreizung aller Länder beschlossen. Wohngrundstücke bleiben bei 0,31 Promille, alle übrigen bebauten und die unbebauten Grundstücke werden mit 0,75 Promille belegt — mehr als das Doppelte des bundesgesetzlichen Werts von 0,34 Promille und der höchste Satz in Deutschland. Damit verschiebt das Land einen erheblichen Teil der Last vom Wohnen zum Gewerbe.
Das Bundesland Bremen besteht aus zwei Gemeinden: der Stadt Bremen und Bremerhaven. Beide beschließen ihre Hebesätze eigenständig, weshalb es hier — anders als in Hamburg und Berlin — zwei verschiedene Sätze gibt. Ein bremischer Median über alle Gemeinden ist deshalb nicht mehr als der Mittelwert dieser beiden Zahlen und taugt nicht als Vergleichsgröße.
Wie im gesamten Bundesmodell gilt: Der Grundsteuerwert kommt vom Finanzamt, der Hebesatz von der Stadt. Wer die Höhe seines Bescheids anzweifelt, muss unterscheiden, gegen welchen der beiden Bescheide er vorgeht — ein Fehler in der Wohnfläche gehört zum Finanzamt, eine falsch angewendete Messzahl ebenfalls, ein falscher Hebesatz zur Stadt.
| Merkmal | Regelung in Bremen |
|---|---|
| Modell | Bundesmodell |
| Fundstelle | § 15 GrStG i. V. m. BremGrStMG (Bremisches Grundsteuermesszahlengesetz) |
| Formel | Grundsteuerwert × Steuermesszahl × Hebesatz |
| Wertabhängig | ja, über den Grundsteuerwert |
| Angaben, die Sie brauchen | Grundsteuerwert aus dem Bescheid des Finanzamts, Art des Grundstücks und Hebesatz Ihrer Gemeinde |
| Grundsteuer C möglich | ja, wenn die Gemeinde sie beschlossen hat |
Beispielrechnung in Bremen
Gerechnet wird ein Reihenhaus mit einem Grundsteuerwert von 250.000 Euro. Als Hebesatz ist 695 % angesetzt — der tatsächliche Hebesatz B. Alle Zwischenschritte stehen darunter, gerundet wie im Gesetz.
- Grundsteuerwert 250.000,00 €, nach § 230 BewG auf volle 100 Euro abgerundet: 250.000,00 €.
- Steuermesszahl 0,31 ‰ für Wohngrundstück nach § 15 GrStG i. V. m. BremGrStMG.
- 250.000,00 € × 0,31 ‰ = Steuermessbetrag 77,50 €.
- Steuermessbetrag × Hebesatz 695 % = 77,50 € × 6,95 = 538,63 € im Jahr.
Unter dem Strich stehen 538,63 € Grundsteuer im Jahr, fällig in vier Raten von je 134,66 € am 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November. Der Steuermessbetrag beträgt 77,50 €; er steht im Bescheid des Finanzamts und ändert sich nicht, wenn die Gemeinde ihren Hebesatz anpasst.
Hebesätze in Bremen 2025
Das Land Bremen besteht aus zwei Gemeinden, die ihre Hebesätze getrennt beschließen: Bremen mit 695 % und Bremerhaven mit 645 % für die Grundsteuer B, jeweils zum Stichtag 30.06.2025. Ein Landesmittel von 670 % wäre nur der Mittelwert dieser beiden Zahlen und gilt für kein einziges Grundstück — maßgeblich ist der Satz Ihrer Gemeinde.
| Gemeinde | Grundsteuer B | Grundsteuer A | Gewerbesteuer | Einwohner |
|---|---|---|---|---|
| Bremen | 695 % | 250 % | 460 % | 588.413 |
| Bremerhaven | 645 % | 250 % | 460 % | 118.502 |
Im Ländervergleich steht Bremen damit auf Rang 2 von 16, gemessen am mittleren Hebesatz B. Zum Vergleich: Der bundesweite Median liegt bei 395 %. Bremen liegt damit 275 Prozentpunkte darüber. Ein Vergleich mit Ländern, die ein anderes Modell anwenden, führt allerdings in die Irre — der Hebesatz wirkt auf den Steuermessbetrag, und der entsteht je nach Modell auf ganz verschiedenen Wegen.
Datenquelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Regionaldatenbank Deutschland, Tabellen 71231-03-01-5 und 71231-02-01-5, Stichtag 30.06.2025, Abruf 18.09.2026; Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – Version 2.0. Hebesätze ohne Stichtag sind wertlos: 2026 beschlossene Sätze sind noch nicht amtlich veröffentlicht.
Was der Hebesatz für Sie ausmacht
In Bremen gibt es nur zwei Hebesätze, deshalb zeigt die Tabelle zusätzlich, was derselbe Fall bei anderen in Deutschland vorkommenden Hebesätzen kosten würde — das macht sichtbar, wie stark allein der Hebesatz den Betrag verschiebt.
| Hebesatz | Einordnung | Grundsteuer im Jahr | je Quartal |
|---|---|---|---|
| 645 % | Hebesatz in Bremerhaven | 499,88 € | 124,97 € |
| 658 % | zum Vergleich | 509,95 € | 127,49 € |
| 670 % | zum Vergleich | 519,25 € | 129,81 € |
| 682 % | zum Vergleich | 528,55 € | 132,14 € |
| 695 % | Hebesatz in Bremen | 538,63 € | 134,66 € |
Wann Sie zahlen und was Sie prüfen können
Die Grundsteuer wird nach § 28 Grundsteuergesetz zu je einem Viertel am 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November fällig. Wer weniger als 15 Euro im Jahr zahlt, bekommt den ganzen Betrag am 15. August in einer Summe; zwischen 15 und 30 Euro sind es zwei Raten im Februar und August. Auf Antrag ist auch eine Jahreszahlung zum 1. Juli möglich. Der Bescheid gilt so lange weiter, bis ein neuer kommt — ein jährlicher Bescheid ist nicht vorgesehen.
Wichtig ist, dass zwei verschiedene Behörden zwei verschiedene Bescheide erlassen. Das Finanzamt stellt den Grundsteuerwert und den Steuermessbetrag fest, die Gemeinde setzt darauf ihren Hebesatz an und schickt den Grundsteuerbescheid. Wer die Bewertung für falsch hält — eine zu große Wohnfläche, ein falsches Baujahr, eine falsche Grundstücksfläche — muss gegen den Bescheid des Finanzamts vorgehen, und zwar innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe. Gegen den späteren Bescheid der Gemeinde lässt sich die Bewertung nicht mehr angreifen; dort zählt nur noch, ob der Hebesatz richtig angewendet wurde.
Die Frist beträgt in beiden Fällen einen Monat ab Bekanntgabe. Fällt das Fristende auf einen Samstag, Sonntag oder Feiertag, verschiebt es sich auf den nächsten Werktag. Wie dieser Termin genau liegt, rechnet der Widerspruchsfrist-Rechner aus. Ein Einspruch hat keine aufschiebende Wirkung: Die Raten bleiben fällig, bis das Finanzamt die Vollziehung aussetzt.
So rechnet dieser Rechner
Der Rechner bildet die Formel nach § 15 GrStG i. V. m. BremGrStMG (Bremisches Grundsteuermesszahlengesetz) ab und rundet an denselben Stellen wie das Gesetz. Er rechnet vollständig in Ihrem Browser; es wird nichts übertragen und nichts gespeichert. Der Hebesatz ist eine Eingabe und kein gepflegter Datenbestand — genau deshalb veraltet dieses Werkzeug nicht, wenn Ihre Gemeinde ihren Satz ändert.
Nicht abgebildet sind Ermäßigungen, die nur wenige Fälle betreffen: Abschläge für Baudenkmäler und für geförderten Wohnraum, Erlasstatbestände nach den §§ 32 bis 34 Grundsteuergesetz, die Flächenbegrenzung für sehr große Grundstücke sowie die Grundsteuer A außerhalb des Bundesmodells. Wenn einer dieser Fälle auf Sie zutrifft, weicht das Ergebnis vom Bescheid ab. Was der Rechner ausgibt, ist eine Kontrollrechnung — verbindlich sind der Grundsteuerwertbescheid des Finanzamts und der Grundsteuerbescheid Ihrer Gemeinde.