So scannen Sie ein Dokument mit dem Handy
Legen Sie das Blatt flach auf einen Untergrund, der sich deutlich vom Papier abhebt: weißes Papier auf einem dunklen Tisch, einer Jeans oder einem Ordnerrücken. Öffnen Sie diese Seite im Handy-Browser und tippen Sie auf „Kamera starten“. Halten Sie das Handy so, dass das ganze Blatt mit etwas Rand im Bild ist, und tippen Sie auf „Seite aufnehmen“.
Das Werkzeug sucht danach die vier Ecken des Blatts und zeigt sie als nummerierte Punkte. Sitzt ein Punkt falsch, ziehen Sie ihn mit dem Finger auf die Ecke; eine Lupe zeigt dabei die Stelle unter dem Finger dreifach vergrößert. Darunter sehen Sie die gerade gezogene Seite. Mit „Seite übernehmen“ kommt sie ins Dokument, und die Kamera startet für die nächste Seite neu. Sind alle Seiten drin, erzeugt „PDF erstellen“ eine Datei, die Sie speichern, per E-Mail verschicken oder in ein Portal hochladen können.
Haben Sie die Fotos schon gemacht, wählen Sie sie über „Vorhandene Fotos wählen“ aus, auch mehrere auf einmal. Sie werden dann nacheinander zur Prüfung vorgelegt, in der Reihenfolge der Auswahl. Die Reihenfolge im fertigen Dokument ändern Sie mit den Pfeilen in der Seitenliste.
Wie die Ecken gefunden und die Seite gerade gezogen wird
Ein Foto von schräg oben zeigt ein rechteckiges Blatt als unregelmäßiges Viereck: Die nahe Kante ist länger als die ferne. Für die Erkennung rechnet das Werkzeug das Foto auf höchstens 480 Pixel Kantenlänge herunter, wandelt es in Graustufen um, glättet es und trennt helle von dunklen Flächen mit einer Schwelle nach Otsu. Die größte zusammenhängende Fläche ist meist das Blatt. Um sie legt es eine konvexe Hülle und sucht darin das Viereck mit der größten Fläche. Dünne Linien auf dem Papier, etwa eine Tabellenlinie oder ein Falz, werden vorher geschlossen, damit das Blatt nicht in zwei Hälften zerfällt.
Aus den vier Ecken berechnet das Werkzeug eine Homographie, also die Abbildung, die das schiefe Viereck auf ein Rechteck zurückführt. Jeder Bildpunkt der fertigen Seite wird an der passenden Stelle im Originalfoto abgelesen und zwischen den vier Nachbarpixeln gemittelt. Die Seite bekommt höchstens 2.200 Pixel an der langen Kante; auf A4 gedruckt sind das gut 180 dpi und damit genug für Text und Formulare. Bei elf Testfotos, deren Ecken bekannt sind, lagen die erkannten Ecken um höchstens 0,7 % der Bildbreite daneben, auch bei einem stark gedrehten Blatt und bei einem Blatt, das bis an den Bildrand reicht.
Trägt das Blatt einen gedruckten Rahmen, etwa ein Formular oder eine Tabelle, findet die Erkennung oft zwei Vierecke: den Rahmen und den Blattrand. Sie prüft deshalb an jeder Kante, ob sich innen und außen die Helligkeit unterscheidet. Am Rahmen liegt auf beiden Seiten Papier, am Blattrand Papier gegen Untergrund. Liegt ein brauchbares Viereck ganz in einem anderen, gilt das äußere.
Die Kantenlängen im Foto verraten das echte Format nicht: Die ferne Kante ist verkürzt, ein schräg fotografiertes A4-Blatt käme sonst gestaucht heraus. Das Werkzeug schätzt deshalb aus den beiden Fluchtpunkten des Vierecks die Brennweite der Kamera und daraus das wahre Seitenverhältnis (Verfahren nach Zhang und He, 2007). Liegt ein Kantenpaar im Foto fast parallel, rechnet es mit der Brennweite eines üblichen Handy-Hauptobjektivs. Die Schätzung reagiert empfindlich auf kleine Eckenfehler: Weichen die Ecken im Mittel nur um 0,25 % der Bildbreite ab, liegt sie bei einem A4-Blatt in knapp einem Fünftel der Fälle mehr als 2 % neben dem Soll von 1 : 1,414.
Deshalb rastet das Werkzeug ein: Liegt die Schätzung höchstens 6 % neben DIN A4 (1 : 1,414, ISO 216) oder US Letter (1 : 1,294), wählt es dieses Format vor und setzt die Seite genau darauf. In unserer Testreihe mit 3.240 simulierten A4-Fotos und dem genannten Eckenfehler traf die Seite danach in 97,8 % der Fälle das A4-Format auf ±2 % genau. Für Kassenbons, Visitenkarten oder andere Größen stellen Sie „Format der Seite“ auf „wie erkannt“; DIN A5 hat fast dasselbe Verhältnis wie A4 (1 : 1,419) und lässt sich dort ebenfalls wählen.
Farbe, Graustufen oder Schwarz-Weiß
Graustufen ist voreingestellt und passt für die meisten Briefe, Rechnungen und Bescheide. Der Grauwert entsteht nach der Fernsehnorm ITU-R BT.601 als 29,9 % Rot, 58,7 % Grün und 11,4 % Blau, so wie das Auge Helligkeit gewichtet. Der Regler „Kontrast“ zieht zuerst das Papier auf Weiß (die hellsten 5 % des Bildes gelten als Papier) und spreizt dann die Töne. Bei 0 bleiben die Helligkeitswerte unverändert.
Schwarz-Weiß eignet sich für reinen Text und ergibt die kleinsten Dateien. Eine feste Schwelle würde bei einem Schatten über dem Blatt eine Hälfte grau versinken lassen. Das Werkzeug vergleicht deshalb jeden Bildpunkt mit dem Mittel seiner Umgebung: Ist er um einen bestimmten Anteil dunkler, wird er schwarz. Im Test mit einem Schattenverlauf von 230 auf 110 Helligkeitsstufen blieb das Papier vollständig weiß, während eine feste Schwelle ein Drittel davon schwarz gefärbt hätte. Der Regler stellt hier ein, wie viel dunkler ein Punkt sein muss (5 bis 25 %).
Farbe brauchen Sie für Stempel, farbige Unterschriften, Fotos im Dokument oder ein ärztliches Attest, bei dem der Empfänger die Farben sehen soll.
Ohne App: was iPhone und Android schon mitbringen
Ein iPhone braucht für einen Scan keine zusätzliche App. Laut Apple-Support scannen die mitgelieferten Apps Notizen und Dateien Dokumente, mit automatischer Aufnahme und Eckenkorrektur. Auf Android-Geräten übernimmt das laut Google-Hilfe die App Google Drive; sie legt den Scan als PDF in Ihrem Drive ab, also in der Cloud.
Diese Seite ist für die Fälle gedacht, in denen das nicht passt: Das Handy gehört jemand anderem, Sie wollen nichts in einem Online-Speicher ablegen, Sie sitzen am Laptop mit Webcam, oder die Scanner-App fragt nach einem Abo. Hier entsteht das PDF im Browser, ohne Konto, und landet direkt im Download-Ordner.
Kamera-Erlaubnis und Datenschutz
Browser geben die Kamera nur Seiten frei, die verschlüsselt über HTTPS laufen, und nur nach Ihrer Zustimmung (so beschreibt es die MDN-Dokumentation zu getUserMedia). Diese Seite läuft über HTTPS. Wenn Sie den Zugriff einmal abgelehnt haben, erlauben Sie ihn über das Schloss-Symbol neben der Adresse wieder oder nutzen „Foto aufnehmen“: Dann öffnet sich die normale Kamera-App, und das Foto kommt ohne Kamerafreigabe in die Seite.
Das Kamerabild wird nur in den Arbeitsspeicher des Browsers gezeichnet. Wir haben den Netzwerkverkehr während eines Scans von drei Seiten mitgeschnitten: Nach dem Laden der Seite gingen keine Bilddaten hinaus. Die fertigen JPGs werden neu berechnet und tragen keine EXIF-Daten, also weder Standort noch Handymodell. Mit „Kamera beenden“ oder beim Verlassen der Seite schaltet das Werkzeug die Kamera ab.
Wenn die Ecken nicht stimmen
Die Erkennung braucht Kontrast zwischen Blatt und Untergrund. Weißes Papier auf einem hellgrauen Tisch findet sie noch, auf einer weißen Tischplatte oder einer hellen Bettdecke nicht; dann sitzen die Punkte kurz innerhalb des Bildrands, und die Meldung sagt, dass kein Blatt sicher erkannt wurde. Ziehen Sie die Punkte in diesem Fall von Hand, oder legen Sie das Blatt auf einen dunkleren Untergrund und nehmen es noch einmal auf. Bei einem bereits sauber zugeschnittenen Foto oder einem Bildschirmfoto wählen Sie „Ganzes Bild“. Füllt das Blatt weniger als ein Zwölftel des Fotos, schlägt das Werkzeug zwar Ecken vor, rät aber, näher heranzugehen: Sonst bleiben für die Schrift zu wenige Bildpunkte.
Gewölbte Seiten, etwa in einem dicken Buch, kann das Werkzeug nicht glätten: Die Homographie bildet gerade Kanten auf gerade Kanten ab, eine Wölbung bleibt. Drücken Sie das Buch flach oder fotografieren Sie jede Seite einzeln. Liegt die Seite nach dem Entzerren quer, dreht „Drehen 90°“ sie in Schritten.
Das fertige PDF: A4, mehrere Seiten, Dateigröße
Jede Seite wird auf ein A4-Blatt von 210 × 297 mm gesetzt, das sind 595 × 842 Punkt im PDF. Ein hohes Bild kommt auf eine Hochformatseite, ein breites auf eine Querformatseite. Das Seitenverhältnis bleibt erhalten, das Bild wird nur eingepasst; ein Blatt im A4-Format füllt die Seite fast genau. Wer für den Ausdruck Platz am Rand braucht, stellt „schmaler Rand (1 cm)“ ein.
Die Seiten werden als JPEG mit Qualitätsstufe 85 eingebettet. Wie groß die Datei wird, hängt vom Foto ab; Schwarz-Weiß ergibt die kleinsten Seiten, Farbe die größten. Lehnt ein Portal die Datei wegen ihrer Größe ab, scannen Sie in Schwarz-Weiß oder verkleinern die Bilder vorher. Bereits fertige Fotos fassen Sie ohne Entzerrung mit JPG in PDF zusammen; eine gescannte Seite unterschreiben Sie mit PDF unterschreiben.