Die kurze Antwort
Bei 2,4 GHz: Kanal 1, 6 oder 11 — der, den die wenigsten Nachbarn nutzen. Kanalbreite 20 MHz. Bei 5 GHz: ein Kanal, den sonst niemand in Reichweite nutzt, gern im Bereich 100–140. Und die wichtigste Regel steht vor beiden: Alles, was 5 GHz kann, gehört auf 5 GHz. Das 2,4-GHz-Band ist mit drei nutzbaren Kanälen, Mikrowellen, Bluetooth und Babyphones so voll, dass der beste Kanal dort oft nur der am wenigsten schlechte ist.
Der Autokanal moderner Router (FritzBox, Speedport, UniFi) macht diese Wahl meistens richtig — aber nur beim Start oder einmal am Tag. Wer nach dem Urlaub plötzlich schlechtes WLAN hat, weil der Nachbar einen neuen Router aufgestellt hat, kann mit einem Neustart oder einer manuellen Wahl nachhelfen.
Warum sich Kanäle bei 2,4 GHz überlappen
Die 13 Kanäle liegen nur 5 MHz auseinander, ein WLAN-Signal ist aber 20 MHz breit. Ein Netz auf Kanal 6 belegt deshalb den Bereich von Kanal 4 bis 8 mit. Zwei Netze stören sich erst dann nicht mehr, wenn fünf Kanäle zwischen ihnen liegen — und davon passen nur drei Netze ins Band: 1, 6 und 11.
Ein Nachbar auf demselben Kanal ist dabei das kleinere Übel: Beide Netze sehen einander, sprechen abwechselnd und teilen sich die Sendezeit fair. Ein Nachbar auf Kanal 4 dagegen ist für ein Netz auf Kanal 6 nur Rauschen — er wird nicht als WLAN erkannt, sondern zerstört Pakete, die dann wiederholt werden müssen. Deshalb wertet der Planer teilweise überlappende Netze schlechter als gleichkanalige.
In Europa geht auch der Plan 1 / 5 / 9 / 13 auf — vier Netze mit exakt 20 MHz Abstand. Er funktioniert aber nur, wenn alle Nachbarn mitziehen, und Geräte mit US-Ländereinstellung sehen Kanal 12 und 13 gar nicht. Für Deutschland bleibt 1 / 6 / 11 die sichere Wahl.
| Kanal | Mitte | Belegt (20 MHz) | Frei von |
|---|---|---|---|
| 1 | 2412 MHz | 2402–2422 | 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13 |
| 6 | 2437 MHz | 2427–2447 | 1, 11, 12, 13 |
| 11 | 2462 MHz | 2452–2472 | 1, 2, 3, 4, 5, 6 |
| 13 | 2472 MHz | 2462–2482 | 1–8 (nicht von allen Geräten unterstützt) |
5 GHz: Blöcke, DFS und Sendeleistung
Bei 5 GHz sind die Kanäle 20 MHz auseinander und überlappen sich mit 20 MHz Breite nicht. Weil moderne Router aber 80 MHz breit senden, belegen sie jeweils einen Block aus vier Kanälen. Diese Blöcke sind in Deutschland nutzbar:
| Block (80 MHz) | Kanäle | DFS | Leistung | Bemerkung |
|---|---|---|---|---|
| 36–48 | 36, 40, 44, 48 | nein | 200 mW | Standard der meisten Router, entsprechend voll. Nur in Gebäuden. |
| 52–64 | 52, 56, 60, 64 | ja | 200 mW | 60 s Radarprüfung vor dem Senden. Nur in Gebäuden. |
| 100–112 | 100, 104, 108, 112 | ja | 1 W | Meist leer, fünffache Sendeleistung erlaubt. Oft die beste Wahl. |
| 116–128 | 116, 120, 124, 128 | ja | 1 W | 120–128 liegen im Wetterradar-Bereich: 10 Minuten Prüfzeit. |
| 132–140 | 132, 136, 140 | ja | 1 W | Nur 60 MHz breit – maximal 40 MHz Kanalbreite. |
Die Kanäle 149 bis 165, die in den USA üblich sind, dürfen in Deutschland nicht für WLAN genutzt werden — Router mit deutscher Ländereinstellung bieten sie gar nicht an. Neu hinzugekommen ist das 6-GHz-Band (Wi-Fi 6E und 7): 5945–6425 MHz, ohne DFS, ohne Nachbarn, 200 mW in Gebäuden. Wer neue Geräte kauft, sollte darauf achten.
Kanal wechseln — so geht es
FritzBox: WLAN → Funkkanal → „Funkkanal-Einstellungen anpassen“ → für 2,4 und 5 GHz getrennt den Kanal wählen. Direkt darunter zeigt „WLAN-Umgebung“ die Nachbarnetze und ihre Kanäle; die Belegung ist als Balkendiagramm dargestellt. Die Kanalbreite für 2,4 GHz steht unter „Weitere Einstellungen“ und sollte auf „20 MHz“ stehen, nicht auf „20/40 automatisch“.
Telekom Speedport: Netzwerk → WLAN-Grundeinstellungen → Sendekanal. Vodafone Station: WLAN → Erweiterte Einstellungen. UniFi / Omada: pro Access Point unter Radios; hier lohnt sich zusätzlich, die Sendeleistung zu senken statt zu erhöhen, damit sich mehrere Access Points nicht gegenseitig hören.
Nach dem Wechsel: 24 Stunden warten, dann erneut scannen. Nachbarrouter mit Autokanal reagieren auf Ihre Änderung und ziehen um — manchmal genau auf Ihren neuen Kanal. Dann ist die Kanalwahl kein Zufall mehr, sondern ein Wettlauf, den man am besten gar nicht führt: auf 5 GHz ausweichen.
Die drei häufigsten Ursachen, wenn das WLAN trotz gutem Kanal langsam ist
- Störer, die kein WLAN sind. Mikrowellen (2450 MHz, also mitten auf Kanal 9), Bluetooth-Kopfhörer, Babyphones, Funkkameras und schlecht abgeschirmte USB-3-Kabel und -Festplatten stören das 2,4-GHz-Band, ohne im Scan aufzutauchen. Wenn die Verbindung immer zur selben Tageszeit einbricht, ist es meist einer davon.
- Der Router steht falsch. Im Schrank, hinter dem Fernseher, im Keller neben dem Anschluss. Jede Wand kostet Signal, Stahlbeton und Fußbodenheizung besonders. Ein Router in der Wohnungsmitte auf Brusthöhe schlägt jeden Kanalwechsel.
- Ein Repeater im 2,4-GHz-Band. Er empfängt und sendet auf demselben Kanal und halbiert damit den Durchsatz — und belegt den Kanal doppelt so lange. Besser ist ein Mesh-System mit eigenem 5-GHz-Backhaul oder ein Access Point am Netzwerkkabel; was sich wann lohnt, steht im Ratgeber WLAN optimieren: Repeater, Powerline oder Mesh.
Wenn das nicht hilft
Bleibt das WLAN auch auf dem leersten Kanal langsam, liegt es selten am Funk. Prüfen Sie per Netzwerkkabel, ob die Internetleitung selbst die versprochene Geschwindigkeit liefert — wenn nicht, ist der Provider dran, nicht der Kanal. Läuft es am Kabel, aber nur ein einzelnes Gerät ist langsam, hat meist dieses Gerät ein Treiberproblem oder hängt noch im alten 2,4-GHz-Netz, obwohl 5 GHz verfügbar wäre. Für Firmen mit mehreren Access Points, Stahlbeton oder vielen Geräten in einem Raum lohnt eine Ausleuchtung vor Ort — das ist keine Kanalfrage mehr, sondern Planung.